Heimatverein - Tschernitz

Das verschwundene Kriegerdenkmal von Tschernitz

Inmitten des Dorfes, am Rande des Dorfplatzes, stehen fünf Bäume. Schon immer wollte ich erfahren, ob diese dort rein zufällig angewachsen sind oder ob bestimmte Anlässe zu ihrer Anpflanzung führten. Eine Antwort auf meine Frage fand ich in der erhaltenen Schulchronik. Der erste Rektor in Tschernitz, Traugott Kühne, legte dafür mit seinen ersten Aufzeichnungen im Jahre 1870 sozusagen den Grundstein. Im April 1872 übernahm der Baron Killisch von Horn das Tschernitzer Rittergut. Zehn Jahre später, am 22. März 1882, pflanzte Lehrer Kühne anläßlich des 85. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I eine Eiche. In einer Urkunde, die man in einem hermetisch abgeschlossenen Glaszylinder unter dem Baum postierte, wird dieser Baum als Friedenseiche bezeichnet. Das Land stellte der o.g. Gutsbesitzer der Gemeinde zur Verfügung. Zusätzlich wurden am gleichen Tag fünf Kaiserlinden gepflanzt, von denen nur noch drei die Stürme der Jahre überstanden haben.

Doch woher stammt die andere Eiche? Am 4. August 1873 wurde in Tschernitz ein neues Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Es stand dort, wo sich heute die Arztpraxis befindet. Dahinter befand sich der Schulhof. Vielleicht schon im gleichen Jahr wurde dort eine "Wilhelmseiche" gepflanzt, in einer anderen Darstellung wird sie Bismarckeiche genannt.

Nach 1907 wurde das Gelände des Schulhofes vom Glaswerk übernommen. Die Verantwortlichen der Glashütte sorgten im Januar 1910 dafür, daß die Eiche umgestzt wurde und ihren neuen Standort neben der Friedenseiche erhielt.

Irgendwie hatte man in Tschernitz versäumt, für die Gefallenen der letzten Kriege ein Denkmal zu errichten. Der Kriegerverein war es schließlich, der die Initiative ergriff und ein Denkmal aufstellen ließ. Es war den Opfern der Kriege 1864, 1868 und 1870 / 71aus Tschernitz und Wolfhain gewidmet. Das Denkmal selbst soll ein etwa zwei Meter hoher Obelisk aus weißem Sandstein gewesen sein. Auf der der Straße zugewandten Seite trug er eine Widmung und eine Tafel mit den Namen der vier Gefallenen.

1945, nach Kriegsende, waren auch in Tschernitz Denkmalsstürmer am Werk. Zunächst soll der Obelisk einen Sowjetstern bekommen haben, er sollte an die Opfer der Roten Armee erinnern. Geschichtsvandalen aus dem Ort sorgten später dafür, dass der Stein für immer verschwand. Heute existiert davon wohl nicht einmal mehr ein Foto. Wolfgang Donath, der in der Nähe des ehemaligen Denkmals wohnt, fertigte nach dem Gedächtnis eine Zeichnung an. Es wäre natürlich für den Heimatverein bedeutungsvoll, wenn irgendwo im Ort ein Foto auftauchen sollte, das uns endgültige Gewissheit über das Aussehen des Denkmals geben könnte.

 

Tschernitz – N.L.- Spree-Neiße-Kreis