Die eigentliche Geschichte von Tschernitz
 
 
Sicherlich existierte Tschernitz schon vor seiner Ersterwähnung. Nachkommen zurückgebliebener Germanen und eingewanderte Sorben lebten friedlich miteinander. Unser Gebiet war im 12. und 13. Jahrhundert immer noch dünn besiedelt. In dieser Zeit kam es zur frühdeutschen Ostexpansion, wobei die aus dem Westen kommenden Markgrafen mit ihren Ritterheeren und beutesuchenden Banditenhaufen nicht zimperlich mit den hier ansässigen Slaven umgingen. Der Markgraf teilte die eroberten Gebiete unter den Rittern auf.
So wird es sich auch mit Tschernitz verhalten haben.
 
 
Eine Abschrift aus dem 17. Jahrhundert von einem Originaldokument in lateinischer Sprache besagt u.a.folgendes : „... in Shidelow , in honorebeati Georgie martyris dedicatae , donavimus appropriavimus ac praesentibus appropriamus 26 modios
hyemalis annonae sitos in villa Tzermenitz duas marcasin teloneo Muzckow ...
Daraus ist ersichtlich,dass Tschernitz bereits im Jahre 1283 erwähnt wurde.
1283 erhielt die Kirche in Schiedlo an der Oder vom Markgrafen u.a. in opido Zommerfeld gewisse Einkünfte von jedem Hof. Markgraf Heinrich der Erlauchte
von Meißen und der Ostmark (Lausitz) übereignet der Kirche zu Schiedlo
26 Scheffel Winterkorn im Dorfe Tzermenitz (Tschernitz) nordwestlich von Muskau.
 
Dresden , d. 20. Oktober 1283.
 
 
Heinrich der Erlauchte wurde um 1215 geboren und starb
am 15.2.1288 in Dresden. Etwa um 1245 erhielt er von
Schlesien Schiedlo, er gründete auch Fürstenberg an der Oder.
Heinrich der Erlauchte soll ein tapferer, edler, gerechter,
kunstsinniger, freigiebiger und prachtliebender Herrscher
gewesen sein und sich auch als Minnesänger betätigt haben. 
 
 
Schiedlo war damals eine sächsische Exklave östlich der Oder in Schlesien. Ab 1908 verschwand dieses Dorf so nach und nach, weil die preußische Regierung sich weigerte, Geld für neue Deiche bereitzustellen. Tschernitz gehörte also zur Zeit seiner Gründung den Wettinern (Sachsen). Wer zu diesem Zeitpunkt mit Tschernitz belehnt war, ist unbekannt.
Pastor Vetter , dem wir eigentlich die erste Chronik unseres Ortes zu verdanken haben, wusste 1905 noch nichts von der oben genannten Ersterwähnung. Er fand heraus, dass Tschernitz erstmalig in einem Lehnsbrief, ausgestellt in Sagan am Montag nach Quasimodogeniti (2. Montag nach Ostern) 1508 erwähnt worden ist.
„ Von Gottes Gnaden wir Georg Herzogk zu Sachsen, Römischer Kayserlicher Majestät und des heyligen römischen Reiches erblicher Gubernator in Frieslanden, Landgraf zu Duringen und Markgraf zu Meißen belehen Föltschen und Hansen von Berge mit Zernischke und Jemmelnitz, priebusschen Weichbildes, mit allen Gnaden, Rechten und Gerechtigkeiten, Gerichten, Obersten und Niedrigsten, über Hals und Hand, Blutrünsten, Freveln, Gewalt, Zetter-Geschreyen und mit allen andren Nutzen, wie sie solche Dörfer von Friedrich Kurfürst, Johann Herzog zu Sachsen und Georg selbst zu Lehn gehabt.“ Valentin und Hans von Berge sind also um 1500 herum Besitzer von Tschernitz gewesen.
 
 

 

Tschernitz – N.L.- Spree-Neiße-Kreis